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Barrage 1.0: 29:28-Heimsieg gegen Fortitudo

„Es war schon das perfekte Spiel von mir. Ich habe bei den ersten Toren geahnt, dass es heute super laufen würde. Jeder Schuss ein Treffer. Dass es in einem solch wichtigen Spiel so lief, ist natürlich super“, sagt ein aufgeräumter Nicola Brunner nach dem Spiel. Neun Versuche, neun Treffer. Nebenbei ein paar Buden Marke Tore des Monats. Der Flügelspieler der Lakers, ein Urgestein in Gelb Schwarz gemeisselt, war eines der Mosaiksteine bei einen atemberaubenden Nachmittag auf dem ausverkauften Frohberg.

Gossaus Fans machten Dampf, ehe die Sirene ertönte. Partystimmung von der ersten bis zur letzten Sekunde. Nicola Brunner und seine Teamkollegen starteten furios in die Barrage und führten schnell mit 3:1. Fortitudo brauchte Kopf und Leidenschaft, um den Expresse der Gastgeber zu stoppen zu bringen. Das taten die Fürstenländer mit Bravour. Deren Trainer Rolf Erdin hatte gegrübelt, warum sich ein Attila Kun schon vor dem Match pfeifenden das Warm Up-Trikot überstreifte, hatte danach gegrübelt, warum seine Jungs der Pace der Stäfner nicht folgen konnten. Doch einige Zeigerumdrehungen später war die Welt der Gäste wieder in Ordnung. Attila Kun und Valentino Valentakovic, die Lakers- und Shooter-WG in Personalunion, war endlich im Griff und als Favorit tat es sich dann ein wenig leichter auf dem Frohberg. Doch wer glaubte, dass die Lakers fielen, der irrte. Pedja Milicic, der seine Truppe akribisch auf den Gegner aus St. Gallen vorbereitet hatte, feuerte Gelb Schwarz pausenlos an, fand die richtigen Mittel und Wege, und so sahen die fast 1.400 Handballfans einen Krimi vom Feinsten. Harte Zweikämpfe, Strafzeiten, strittige Schiedsrichterentscheide, Schweissflecken auf der Platte und unglaubliche Zweikämpfe zwischen den Boxes. Es war ein Leckerbissen, technisch vielleicht nicht auf dem neuesten Stand, aber wenn wunderte es ob der Realität beider Clubs.

Das 15:15 zur Pause hinterliess nicht nur blaue Flecken bei den Spielern, sondern auch heisere Kehlen bei den Fans. Was würde passieren? Würden die Lakers einbrechen? Würden die Gossauer ihren Lauf aus der Abstiegsrunde fortsetzen? Es war einfach mehr. Es war auch einfach Nicola Brunner, der mit seinen Zaubertoren für Stimmung sorgte. Es waren die kämpfenden Seebuben und die hektischen Gäste, die es nie schafften, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. So lief die Zeit davon, aber meist glaubte man, sie würde stillstehen. Die Fanlager der Teams wurden lauter, wurden schriller. In den letzten Minuten standen fast 1.400 Handballfans in der Halle und konnten es nicht fassen, mit welcher Leidenschaft und Kraft sich beide Teams auf die Nerven gingen. Die Lakers führten. Verdient. Es war die Rasse, die Farbe der Gastgeber, die Fehlerhaftigkeit, die ausgebügelt wurde. Fortitudo, eine Klasse für sich, seit Jahren füreinander da, konnte nicht mehr tun als zu reagieren.

So liefen die letzten Sekunden, der Frohberg bebte und zum Schluss hatte man das Gefühl, als würden sich beide Teams umarmen wie zwei angeschlagene Boxer, die darum flehten, der Ringrichter möge das Tuch werfen. Der Sieg der Lakers geht in Ordnung, hätte höher ausfallen können. Doch sollte man die Kirche im Dorf lassen und darauf aufbauen, dass man GEWONNEN hat. Fortitudo Gossau muss am Samstag gewinnen und alleine diese Tatsache zählt. Der Druck ist im Fürstenland: „Und ich hätte noch weiter spielen können. Ich hätte noch weitere Tore erzielt“, so das Schlusswort von Nicola Brunner. Vielleicht hört man ihn diesen Satz auch nach dem Spiel in der Buechenwaldhalle in der Kabine sagen.

Swiss Handball League, Männer NLA/NLB, Auf-/Abstiegsrunde, 1. Runde
Lakers Stäfa - TSV Fortitudo Gossau 29:28 (15:15)
Samstag, 13. Mai 2017, 16.30 Uhr, Stäfa Frohberg, 1.380 Fans (ausverkauft, Saisonrekord)
SR: Bernet/Wick
Zeitstrafen: 6mal 2 Min. für Stäfa – 6mal 2 Min. für Gossau
Team Time-Outs: Lakers Stäfa (17:02/7:8, 39:59/19:19, 55:06/26:25); TSV Fortitudo Gossau (28:00/14:14, 46:28/23:21, 59:28/29:27)

Spielfilm: 1:0, 3:1 (4.), 4:4 (11.), 7:6 (15.), 7:7, 7:10 (19.), 9:11 (22.), 13:13 (27.), 15:15 HZ – 16:15, 18:16 (37.), 19:20 (41.), 21:20 (42.), 23:21 (45.), 23:23 (50.), 25:23 (51.), 28:27 (58.), 29:28;

Lakers Stäfa: Aleksejev/Pellegrini (15.-23. )/Frei; Lechner, Valentakovic (5), Lepp, Ardielli, Kun (1), Schlumpf (2), Vernier (1), Madsen (5/4), Guignet (2), Brunner (9/2), Bleuler (1), Maag (3);
TSV Fortitudo Gossau: Busa/Jochum (ab 31.); Ham (4), Weingartner (2), Dedaj (6), Wild, Mächler, Oertig, Bucher, Harder (4/2), Würth (7), Mauchle, Graf, Bösch (3), Piske (2);

Bemerkungen: Lakers Stäfa ohne Milosevic, Barth (beide verletzt), Stocker, Hüppi (beide nicht im Aufgebot), Attila Kun gibt nach seinem Kreuzbandriss im September 2016 sein Comeback, Junioren-Nationalspieler Luzian Lechner zum ersten Mal im Lakers-Aufgebot; Gossau komplett; 10. Harder (Forti) verschiesst 7m;

Alexander Kuszka