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Notes of NORDKURVE 16, Teil 3

Vom 12. bis 28. Januar 2018 findet in Kroatien die Handball-Europameisterschaft der Männer statt. Und seit den kontinentalen Titelkämpfen in Polen im Januar 2016 ist klar: Es gibt mindestens 6 bis 8 Mannschaften, die den Pokal in die Höhe stemmen können. Deshalb freut sich die Handballwelt auf dieses Turnier.

Es war eine Demonstration des Teamgeistes und der mentalen Stärke. Als am 31. Januar 2016 Deutschland im Finale der EM 2016 das übermächtige Spanien mit 24:17 in die Schranken wies, wurden mit Andreas Wolff oder Tobias Reichmann über Nacht neue Weltstars geboren. Handball-Europa wusste seit dieser Nacht von Krakau, dass die Leistungsdichte im Spitzenhandball auf ihrem Höhepunkt angelangt war.

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Gut zwei Jahre später gehört der Titelverteidiger zu den üblichen Verdächtigen, wenn es darum geht, wer die Vorschlussrunden erreicht, aber nicht mehr. Niemand spricht vom Finale, jeder rechnet, welcher Favorit zuerst ausscheidet. Die Vorrundengruppen haben es schon in sich. In Gruppe A kommt es schon zum heissen Duell zwischen Gastgeber Kroatien und Serbien. Schweden und Island rechnen sich ebenfalls Chancen aus. In Gruppe B muss Seriensieger Frankreich gegen Norwegen ran. Die Skandinavier erreichten bei der EM 2016 immerhin das Halbfinale und scheiterten erst nach Verlängerung an Deutschland. Die Gruppe C mit Titelverteidiger Deutschland ist die heisseste Gruppe. Mazedonien, Slowenien und Montenegro heissen die Kontrahenten und haben jetzt schon dafür gesorgt, dass alle Spiele in der Arena Zagreb mit 15 200 Plätzen ausverkauft sind. Dreimal in der Höhle des Löwen. In Gruppe D wird es nicht minder spannend zugehen. Spanien, vor zwei Jahren von Deutschland gedemütigt, nimmt einen neuen Anlauf und muss dabei gegen Ungarn, Tschechien und Dänemark bestehen.

Obwohl die jeweils drei Bestplatzierten in die Hauptrunde einziehen, kann jeder Punktverlust folgenschwer sein, denn die Punkte gegen die Teams, die ebenfalls weiterkommen, werden mitgenommen. Die Hauptrundengruppe 1 bilden die Teams aus den Vorrundengruppen A und B, das zweite Hauptrunden-Tableau die Teams aus den Vorrundengruppen C und D. Will bedeuten: In diesen beiden Sechsergruppen kommt es zu zahlreichen Endspielen um die ersten beiden Plätze und das fanatische Publikum wird seinen Teil dazu beitragen, dass dieses Turnier so spannend wie keines zuvor sein wird.

Dass die Spitze Europas enger zusammengerückt ist, bewies zuletzt das WM-Turnier im Januar in Frankreich, als die Gastgeber im Endspiel gegen Norwegen mit 33:26 gewinnen konnten und als einziges Team des Turniers ohne Punktverlust geblieben waren. Spanien musste schon früh die Segel streichen, Geheimfavorit Ungarn ebenso. Ganz zu schweigen vom amtierenden Europameister Deutschland, der schon im Achtelfinale gegen Angstgegner Katar ausschied. Und wenn man Katar weglässt, sind die WM-Titelkämpfe eigentlich eine Europameisterschaft 1plus. Enge Halle, euphorische Fans auf dem Balkan und die kurzen Wege werden das Turnier in Kroatien für alle Handballfans zu einem Erlebnis machen. Wer aber keine Zeit, aber Lust auf Spitzenhandball pur hat, wird im Free-TV auf den Geschmack kommen. ARD und ZDF haben die Rechte frühzeitig erworben und werden ausführlich berichten.

Genau hinschauen werden der Däne Mikkel Madsen, der Ungar Ferenc Panczel und die Kroaten Orhan Rizvan und Valentino Valentakovic. Unsere Nummer 5 weiss um die Bedeutung dieses Events für sein Heimatland: «Kroatien ist ein kleines Land und in der augenblicklichen Situation, wo immer weniger in den Handball investiert wird, ist es fantastisch, dass wir es trotzdem geschafft haben, dieses Turnier zu organisieren. Als Kroate wäre für mich jeder Platz unter den ersten 5 perfekt, weil ich weiss, dass wir nicht so viel in den nationalen Handball investieren können wie unsere Nachbarländer. Bei uns denkt man immer noch gerne zurück an die erste Goldmedaille im Handball 1996 für Kroatien nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens, aber wir müssen vorwärts schauen.»

«Frankreich ist der fortwährende Rivale Kroatiens, immer Favorit auf den Titel. Dänemark ist ebenfalls sehr stark einzuschätzen, so stark wie mein Freund Mikkel Madsen (lacht). Norwegen spielt einen schnellen Handball und Deutschland ist das körperlich stärkste Team. Weil die EM in Kroatien ist, würde ich sagen: Kroatien spielt im Finale gegen Dänemark. Und ich hoffe, dass mein Heimatland gewinnt. Dann kann ich gemeinsam mit meinem Landsmann Orhan Mikkel in der Kabine ärgern», freut sich Tino.

Freuen wir uns gemeinsam mit Tino, Orhan und Mikkel auf die Handball-EM und hoffen, dass wir bald auch wieder die Schweizer Nati bei einer EM begrüssen können. Vielleicht ist es im Jahr 2022 oder 2024 soweit. Denn der Schweizerische Handball-Verband hat sich gemeinsam mit Dänemark für diese beiden Endrunden beworben.

Alexander Kuszka

Bilder: Offizielle Homepage EM Kroatien

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