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Notes of NORDKURVE 16, Teil 2

Ferenc Panczel: „Ich gehe den Stäfner Weg mit!“
Seit dem 26. November haben die Lakers einen neuen Cheftrainer. Nach der Trennung von Pedja Milicic und der wertvollen Arbeit von René Barth hat Ferenc Panczel (Bild links, neben Team-Manager Dani Perisa) das Zepter auf dem Frohberg übernommen. Der 39-jährige Ungar war die Wunschbesetzung der Lakers-Verantwortlichen. Grund: Feri passt wie die Faust aufs Auge. Die NORDKURVE kann das belegen.

Am 27. November 2017 war es soweit. Zum ersten Mal seit dem Weggang von Markus Jud zum HSC Suhr Aarau im Jahr 2015 bekamen die Spieler der Lakers einen Vorgesetzten, den sie nicht aus dem Vereinsumfeld kannten. Es war ein Kennenlernen, es war ein Beschnuppern. Aufgrund der jüngsten Erfolge mit dem HC Wädenswil waren sie sich aber bewusst, dass der neue Motivator ähnlich tickte wie Pedja Milicic oder René Barth: „Ich bin auch ein Mensch, der gerne kommuniziert, ehrlich ist und schnellen Handball spielen lässt“, gibt Ferenc Panczel zu Protokoll, wohlwissend, dass er ein schweres Erbe auf dem Frohberg angetreten hat. Der Verein sei einer der professionellsten Vereine der Schweiz mit einem starken Nachwuchsarbeit und gehöre langfristig wieder in die NLA: „Das war mir bewusst, als mich Dani Perisa kontaktierte. Doch diesen Ehrgeiz hatte ich und ich möchte diesen Stäfner Weg gehen. Wir müssen unsere Talente behutsam aufbauen, sodass sie mit 19 oder 20 Jahren bereit sind für die höheren Aufgaben. Wenn wir zu lange warten, ist es zu spät“, gibt der 39-jährige gleich die Hoffnung vor, noch mehr Wert auf Handball Stäfa und seine Möglichkeiten zu legen.

Ferenc Panczel möchte nicht vom Aufstieg sprechen, sondern er möchte die Möglichkeit vorleben: „Wir müssen noch härter arbeiten, noch schnelleren Handball spielen wie ich das von den Lakers der vergangenen Jahre kenne. Dann ist wieder mehr möglich!“ Panczel, der im 50%-Pensum bei einer Grossbank arbeitet, möchte auch auf jedes Individuum intensiver eingehen: „Da liegt mein Vorteil, dass ich lange Jahre im Mädchen und Frauen gearbeitet habe. Da muss man sensibler sein und mehr den Kern einen Menschen ergründen. Ich denke, da können wir noch sehr viel aus den Spielern herauskitzeln.“

Man nimmt dem neuen Cheftrainer ab, dass er geboren ist für die neue Aufgabe und bereit, die Lakers langfristig wieder in der NLA zu etablieren. Dafür hat er in seinem Leben schon sehr viel gelernt und auch gegeben. Vor dem Erfolg in der Handball Schweiz stand eine Odysee von Ungarn über Skandinavien bis hin nach Winkel, wo der sympathische Magyar mit seiner Lebensgefährtin wohnt.

Seiten 6 8 Tiszafoldvar Hier ist Feri aufgewachsen

Tiszaföldvár (hier die Parkbrücke), 120 Kilometer südöstlich von Budapest. Ein kleines Städtchen mit 12.000 Einwohnern. Hier wird Ferenc Panczel geboren und wächst mit dem Ziel auf, die Gegend in der Nördlichen Grossen Tiefebene Ungarns so schnell wie möglich zu verlassen. Handball und Studium sollen es sein. In Györ und Budapest studiert der leidenschaftliche Jogger Business Management und erwirbt auch die Handball-Lehrer B-Lizenz an der Universität Semmelweis in der ungarischen Hauptstadt: „Aber wie alle in meinen Alter wusste ich, dass ich keine adäquate Arbeit finden würde. Ungarn ging es zu dieser Zeit wirtschaftlich sehr schlecht. Also packte ich meine Siebensachen und zog nach Finnland.“

Babysitter in Helsinki
In der finnischen Hauptstadt Helsinki angekommen, suchte Feri einfache Arbeit, um über die Runden zu kommen. Sein erster Job: „Ja, ich war für fünf Monate Babysitter. Es war eine tolle Erfahrung. Später arbeitete ich dann als Lagerist und wurde Trainer bei HIFK, einem Frauenteam.“ Feri lernte die Sprache und seine heutige Freundin kennen: „Sie war Schweizerin und war ebenfalls in Helsinki. Jetzt sind wir seit 11 Jahren zusammen und sie war somit der Grund, warum ich heute Trainer der Lakers bin.“ Denn nach weiteren Stationen Als Trainer und Co-Trainer bei weiteren Vereinen in Finnland und Schweden bekam der Flensburg-Fan die Chance, beim HC Kriens-Luzern als Assistent von Torben Winther tätig zu werden: „Ich konnte kein Wort Deutsch. Also gaben sie mir einen Drei-Monats-Vertrag mit der Option, wenn ich danach besser Deutsche sprechen könnte, langfristig zu bleiben. So kam es auch, da ich Tag und Nacht die deutsche Sprache büffelte und mir meine Freundin auch immer half“, erinnert sich Panczel.

Mit der Perfektion der Sprache stieg der neue Lakers-Trainer weiterhin in der Karriereleiter hinauf: „Es ist für mich keine Karriere in dem Sinne, sondern Berufung und Lohn für harte Arbeit!“ Als Frauentrainer bei Yellow Winterthur, bei GC Amicitia Zürich und Regionaltrainer bei den ZHV-Frauen kam im Sommer dann der Ruf aus Wädenswil: „Klar, war das für mich eine Ehre. Wädenswil ist ein Traditionsclub und war für mich eine neue Chance. Ich wollte diese Chance nutzen. Dass wenige Monate später dann Dani Perisa anrufen muss“, lächelt Feri.

In den kommenden Monaten wird Panczel aber noch einige Male in seine Heimat Ungarn zurückkehren. Grund hierfür ist seine Handball A-Lizenz, die er in Budapest absolviert: „Ich hoffe, dass ich im Sommer damit fertig bin. Jeden Monat werde ich dann einmal jeweils zwei bis drei Tage in Ungarn sein. Das ist mit den Lakers so abgesprochen und ich bin sehr froh darüber“, sagt er und hoffentlich findet er auch noch Zeit, seine Familie zu besuchen: „Meine Mutter Erzsébet ist Lehrerin in meiner Heimatstadt, mein Vater Ferenc lebt in Szelevény, unweit von Tiszaföldvár, und ist dort Bürgermeister!“ Seine ältere Schwester Adrienn wird er allerdings nicht antreffen: „Sie lebt in Australien, ist also auch ein Globetrotter, wie ich!“

Bis zum NLB-Restart am 27. Januar 2018 zuhause gegen den BSV Stans hat Ferenc Panczel also noch Zeit, seinem neuen Team eine neue Richtung vorzugeben. Seine. Auch wenn die Ansichten und Philosophien denen seiner Vorgänger sehr ähneln, so hat er trotzdem seinen eigenen Kopf und diese immens wichtige Erfahrung: Mit Nichts in ein fremdes Land zu kommen, sich hoch zu kämpfen, jeden Job anzunehmen, um zu überleben. Will heissen: Verleugne nie, woher du kommst. Arbeite jeden Tag an Dir.

Folglich hat Feri für das kommende Jahr auch klare Ziele: „Ich möchte gesund bleiben, Erfolg haben und die Lakers weiter entwickeln. Ich möchte diesen Stäfner Weg mitgehen. Und ich wünsche mir, dass wir in Zukunft alle wieder mehr lachen. Wir lachen zu wenig!“

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Alexander Kuszka